Das 3-Schichten-Modell
Deutschland ordnet Altersvorsorge in 3 Schichten: 1. Basisversorgung (gesetzliche Rente, Rürup) – fließt in den staatlich gestützten Topf, in der Auszahlung voll steuerpflichtig. 2. Geförderte Vorsorge (Riester, bAV) – steuerlich gefördert während der Ansparphase, später meist nachgelagert besteuert. 3. Privatvorsorge (ETF-Sparplan, private Rentenversicherung) – keine staatliche Förderung, aber maximale Flexibilität. Für junge Leute ohne Kinder ist Schicht 3 fast immer die spannendste.
ETF-Sparplan – der unsexy Klassiker mit Wumms
Ein breit gestreuter Aktien-ETF (z.B. MSCI World oder MSCI ACWI) hat historisch ~7 % Rendite p.a. erwirtschaftet. Mit 100 €/Monat über 40 Jahre kommst du auf rund 260.000 € (bei 7 %, vor Inflation). Über ein Online-Depot (Trade Republic, Scalable, Comdirect) kostet das 0-2 €/Monat. Keine Provisionen, keine Abschlusskosten, kein Berater, der dir was verkauft. Wichtig: Kursschwankungen aushalten, nicht panisch verkaufen.
Betriebliche Altersvorsorge (bAV) – wenn der AG zuzahlt
Der Arbeitgeber muss seit 2019 mindestens 15 % deines bAV-Beitrags zuschießen (Direktversicherung). Viele zahlen mehr. Beispiel: du sparst 100 € aus deinem Brutto, AG legt 30 € drauf, dazu kommt die Steuer- & Sozialabgaben-Ersparnis. Im Ergebnis kostet dich der 130-€-Beitrag netto vielleicht 60 €. Top, ABER: in der Auszahlung volle Sozialabgaben (KV/PV) – darauf kalkulieren. Lohnt sich besonders bei AGs, die ordentlich was draufzahlen.
Riester, Rürup, Klassische Rentenversicherung – wann ja, wann nein?
Riester: für Singles ohne Kinder mit normalem Einkommen meist Mau. Lohnt bei Familien mit Kindern (300 € Kinderzulage pro Jahr und Kind) oder sehr niedrigem Einkommen. Rürup: nur für Selbstständige, hohe Steuervorteile im Einzahlungs-Jahr, aber komplett unflexibel (kein vorzeitiger Zugriff, keine Vererbung möglich an Nicht-Ehegatten). Klassische Rentenversicherung: garantierter Höchstrechnungszins liegt derzeit bei 1 % – nach Kosten oft Negativ-Rendite. Nur in absoluten Ausnahmefällen sinnvoll.
Zinseszins – der wichtigste Hebel deines Lebens
Albert Einstein hat angeblich gesagt: 'Wer Zinseszins versteht, verdient ihn. Wer nicht, zahlt ihn.' Beispiel: 100 €/Monat ab 25 bei 7 % Rendite → mit 67 hast du ~260.000 €. Selber Betrag, aber erst ab 35 angefangen → nur ~125.000 €. 10 Jahre weniger = mehr als die Hälfte weniger Endkapital. Wer mit 18 mit 50 €/Monat anfängt, schlägt jemanden, der mit 30 mit 200 €/Monat anfängt. Zeit ist die mächtigste Variable.
Aktienfonds im Versicherungsmantel – wann das wirklich Sinn macht
Ein 'Versicherungsmantel' ist nichts anderes als eine fondsgebundene Rentenversicherung: drin steckt dein ETF oder Aktienfonds, drumherum ein Versicherungsvertrag. Klingt erstmal nach unnötiger Verpackung – hat aber drei echte Vorteile gegenüber dem reinen Depot-Sparplan. Erstens: Steuerstundung. Im Depot zahlst du bei jedem Fondswechsel und auf Ausschüttungen sofort Abgeltungssteuer, im Mantel läuft alles steuerfrei weiter, bis du auszahlst. Zweitens: bei Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr und mindestens 12 Jahren Laufzeit greift das Halbeinkünfteverfahren – nur die halben Gewinne werden mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Drittens: Du kannst Fonds wechseln, ohne Steuern auszulösen. Der Haken: Mantel kostet Geld (Abschluss, Verwaltung). Nur sinnvoll bei sehr günstigen Netto-Tarifen (Effektivkosten unter 0,8 %), Laufzeit 20+ Jahre und Auszahlung erst im Rentenalter. Für kurze Horizonte oder teure Tarife: lass es. Wir rechnen das ehrlich für dich durch.
Altersvorsorgegesetz 2027 – was kommt da auf dich zu?
Die Bundesregierung plant für 2027 ein neues Altersvorsorgegesetz, das Riester in der heutigen Form ablöst. Kern: ein 'Altersvorsorgedepot' – ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in das du frei in ETFs und Fonds investieren kannst, ohne die starre Beitragsgarantie von Riester. Damit sollen endlich die Renditen drin sein, die heute nur außerhalb der Förderung möglich sind. Gefördert wird voraussichtlich über direkte Zulagen plus Steuervorteile, ähnlich wie heute, aber transparenter und ohne den Bürokratie-Wahnsinn. Bestehende Riester-Verträge sollen freiwillig ins neue System überführbar sein. Wichtig: noch ist nichts beschlossen, die Eckpunkte ändern sich gerade fast monatlich. Solange das Gesetz nicht steht: keine Riester-Neuverträge mehr abschließen, bestehende prüfen lassen (oft ruhend stellen die beste Option), und parallel ETF-Sparplan im Depot fortsetzen.
Förderungen für Sparpläne – was du heute schon mitnehmen solltest
Auch ohne Riester gibt es vier konkrete Förderungen, die du kennen solltest. 1. Arbeitnehmer-Sparzulage (VL/VWL): Bis zu 480 € pro Jahr vermögenswirksame Leistungen vom AG, dazu 20 % Sparzulage vom Staat bei ETF-Sparplänen, wenn dein zu versteuerndes Einkommen unter ca. 40.000 € (Single) liegt. 2. Wohnungsbauprämie: 10 % Prämie auf bis zu 700 € jährliche Bauspar-Einzahlungen, wenn das Geld später wohnwirtschaftlich verwendet wird. 3. Arbeitgeberzuschuss zur bAV: Pflicht-Zuschuss von mindestens 15 %, viele AGs zahlen 20-50 %. 4. Steuerstundung im Versicherungsmantel (siehe oben). Faustregel: erst die geschenkten Sachen mitnehmen (AG-Zuschuss, VL/Sparzulage), dann den freien ETF-Sparplan füllen. Die Reihenfolge entscheidet, ob du Geld auf dem Tisch liegen lässt.