Versicherungs-1x1

Altersvorsorge

Klingt langweilig. Ist aber dein zukünftiges Ich.

Die staatliche Rente wird für die meisten unter 35 nicht reichen, um den Lebensstandard zu halten. Wer mit 67 noch surfen, reisen oder einfach nicht jeden Cent zweimal umdrehen will, muss selbst Hand anlegen. Die gute Nachricht: je früher du anfängst, desto weniger musst du sparen – der Zinseszins macht den Rest. 100 € im Monat mit 25 schlagen 300 € im Monat mit 45. Versprochen.

Für wen?

Alle. Egal ob du heute 18 oder 35 bist, ob du 1.500 € oder 6.000 € verdienst – die Frage ist nicht ob, sondern wie viel und wie.

Was kostet's?

Faustregel: 10-15 % deines Nettos in die Altersvorsorge. Mit 25 reichen oft 100-200 €/Monat. Mit 35: schon 250-400 €.

Das musst du wissen

Wichtig

  • Kurzfristig wäre ein Notgroschen (ca. 3 Monatsausgaben) auf Tagesgeld eine solide Basis.
  • Mittelfristig könnte sich ein breit gestreuter ETF-Sparplan (z.B. MSCI World oder All Country World) anbieten.
  • Langfristig wäre ein Blick auf die betriebliche Altersvorsorge (bAV) sinnvoll – idealerweise mit AG-Zuschuss.
  • Riester wäre eher in Ausnahmefällen interessant (Kinder, niedriges Einkommen), Rürup vor allem für Selbstständige.

Achtung

  • Hohe Abschluss- und Verwaltungskosten fressen Rendite – auf Effektivkosten achten (idealerweise unter 1 %).
  • Garantieprodukte (klassische Rentenversicherung) liefern oft <1 % Rendite – nach Kosten kaum positiv.
  • Riester steht seit Jahren in der Kritik – für die meisten unter 30 wäre es eher nicht die erste Wahl.
  • Versprechen wie 'steuerfrei in der Auszahlung' würden sich immer im Kleingedruckten zu prüfen lohnen.

Tipps

  • Anfangen ist meist wichtiger als perfekt sein – ein Sparplan ab 25 €/Monat wäre schon ein guter Start.
  • Eine jährliche Erhöhung um z. B. 50 € spürt man kaum, das Endkapital könnte aber deutlich wachsen.
  • Bei jeder Gehaltserhöhung wäre eine Aufteilung sinnvoll: ein Teil ins Leben, ein Teil in die Vorsorge.
  • Den Maximalbetrag für den AG-Zuschuss bei der bAV auszuschöpfen, könnte sich anbieten – mehr geschenktes Geld gibt es selten.

Tiefer rein

Das 3-Schichten-Modell

Deutschland ordnet Altersvorsorge in 3 Schichten: 1. Basisversorgung (gesetzliche Rente, Rürup) – fließt in den staatlich gestützten Topf, in der Auszahlung voll steuerpflichtig. 2. Geförderte Vorsorge (Riester, bAV) – steuerlich gefördert während der Ansparphase, später meist nachgelagert besteuert. 3. Privatvorsorge (ETF-Sparplan, private Rentenversicherung) – keine staatliche Förderung, aber maximale Flexibilität. Für junge Leute ohne Kinder ist Schicht 3 fast immer die spannendste.

ETF-Sparplan – der unsexy Klassiker mit Wumms

Ein breit gestreuter Aktien-ETF (z.B. MSCI World oder MSCI ACWI) hat historisch ~7 % Rendite p.a. erwirtschaftet. Mit 100 €/Monat über 40 Jahre kommst du auf rund 260.000 € (bei 7 %, vor Inflation). Über ein Online-Depot (Trade Republic, Scalable, Comdirect) kostet das 0-2 €/Monat. Keine Provisionen, keine Abschlusskosten, kein Berater, der dir was verkauft. Wichtig: Kursschwankungen aushalten, nicht panisch verkaufen.

Betriebliche Altersvorsorge (bAV) – wenn der AG zuzahlt

Der Arbeitgeber muss seit 2019 mindestens 15 % deines bAV-Beitrags zuschießen (Direktversicherung). Viele zahlen mehr. Beispiel: du sparst 100 € aus deinem Brutto, AG legt 30 € drauf, dazu kommt die Steuer- & Sozialabgaben-Ersparnis. Im Ergebnis kostet dich der 130-€-Beitrag netto vielleicht 60 €. Top, ABER: in der Auszahlung volle Sozialabgaben (KV/PV) – darauf kalkulieren. Lohnt sich besonders bei AGs, die ordentlich was draufzahlen.

Riester, Rürup, Klassische Rentenversicherung – wann ja, wann nein?

Riester: für Singles ohne Kinder mit normalem Einkommen meist Mau. Lohnt bei Familien mit Kindern (300 € Kinderzulage pro Jahr und Kind) oder sehr niedrigem Einkommen. Rürup: nur für Selbstständige, hohe Steuervorteile im Einzahlungs-Jahr, aber komplett unflexibel (kein vorzeitiger Zugriff, keine Vererbung möglich an Nicht-Ehegatten). Klassische Rentenversicherung: garantierter Höchstrechnungszins liegt derzeit bei 1 % – nach Kosten oft Negativ-Rendite. Nur in absoluten Ausnahmefällen sinnvoll.

Zinseszins – der wichtigste Hebel deines Lebens

Albert Einstein hat angeblich gesagt: 'Wer Zinseszins versteht, verdient ihn. Wer nicht, zahlt ihn.' Beispiel: 100 €/Monat ab 25 bei 7 % Rendite → mit 67 hast du ~260.000 €. Selber Betrag, aber erst ab 35 angefangen → nur ~125.000 €. 10 Jahre weniger = mehr als die Hälfte weniger Endkapital. Wer mit 18 mit 50 €/Monat anfängt, schlägt jemanden, der mit 30 mit 200 €/Monat anfängt. Zeit ist die mächtigste Variable.

Aktienfonds im Versicherungsmantel – wann das wirklich Sinn macht

Ein 'Versicherungsmantel' ist nichts anderes als eine fondsgebundene Rentenversicherung: drin steckt dein ETF oder Aktienfonds, drumherum ein Versicherungsvertrag. Klingt erstmal nach unnötiger Verpackung – hat aber drei echte Vorteile gegenüber dem reinen Depot-Sparplan. Erstens: Steuerstundung. Im Depot zahlst du bei jedem Fondswechsel und auf Ausschüttungen sofort Abgeltungssteuer, im Mantel läuft alles steuerfrei weiter, bis du auszahlst. Zweitens: bei Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr und mindestens 12 Jahren Laufzeit greift das Halbeinkünfteverfahren – nur die halben Gewinne werden mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert. Drittens: Du kannst Fonds wechseln, ohne Steuern auszulösen. Der Haken: Mantel kostet Geld (Abschluss, Verwaltung). Nur sinnvoll bei sehr günstigen Netto-Tarifen (Effektivkosten unter 0,8 %), Laufzeit 20+ Jahre und Auszahlung erst im Rentenalter. Für kurze Horizonte oder teure Tarife: lass es. Wir rechnen das ehrlich für dich durch.

Altersvorsorgegesetz 2027 – was kommt da auf dich zu?

Die Bundesregierung plant für 2027 ein neues Altersvorsorgegesetz, das Riester in der heutigen Form ablöst. Kern: ein 'Altersvorsorgedepot' – ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, in das du frei in ETFs und Fonds investieren kannst, ohne die starre Beitragsgarantie von Riester. Damit sollen endlich die Renditen drin sein, die heute nur außerhalb der Förderung möglich sind. Gefördert wird voraussichtlich über direkte Zulagen plus Steuervorteile, ähnlich wie heute, aber transparenter und ohne den Bürokratie-Wahnsinn. Bestehende Riester-Verträge sollen freiwillig ins neue System überführbar sein. Wichtig: noch ist nichts beschlossen, die Eckpunkte ändern sich gerade fast monatlich. Solange das Gesetz nicht steht: keine Riester-Neuverträge mehr abschließen, bestehende prüfen lassen (oft ruhend stellen die beste Option), und parallel ETF-Sparplan im Depot fortsetzen.

Förderungen für Sparpläne – was du heute schon mitnehmen solltest

Auch ohne Riester gibt es vier konkrete Förderungen, die du kennen solltest. 1. Arbeitnehmer-Sparzulage (VL/VWL): Bis zu 480 € pro Jahr vermögenswirksame Leistungen vom AG, dazu 20 % Sparzulage vom Staat bei ETF-Sparplänen, wenn dein zu versteuerndes Einkommen unter ca. 40.000 € (Single) liegt. 2. Wohnungsbauprämie: 10 % Prämie auf bis zu 700 € jährliche Bauspar-Einzahlungen, wenn das Geld später wohnwirtschaftlich verwendet wird. 3. Arbeitgeberzuschuss zur bAV: Pflicht-Zuschuss von mindestens 15 %, viele AGs zahlen 20-50 %. 4. Steuerstundung im Versicherungsmantel (siehe oben). Faustregel: erst die geschenkten Sachen mitnehmen (AG-Zuschuss, VL/Sparzulage), dann den freien ETF-Sparplan füllen. Die Reihenfolge entscheidet, ob du Geld auf dem Tisch liegen lässt.

Spiel mit den Zahlen.

Schieb die Regler. Sieh, wie sich's verändert.

Interaktiv

Altersvorsorge-Rechner

Was wird aus deinem monatlichen Sparbetrag bis 67?

Dein Alter25
Monatlicher Sparbetrag100
Erwartete Rendite p.a.5%

Endkapital mit 67

171.848 €

Davon eingezahlt

50.400 €

Davon Zinseszins

121.448 €

Vereinfachte Rechnung ohne Steuern, Inflation, Gebühren. Zeigt aber: 10 Jahre früher anfangen verdoppelt oft das Endkapital. Der Zinseszins ist dein bester Kollege – aber nur, wenn du ihm Zeit gibst.

Mythen vs. Realität

Hörst du oft, stimmt selten.

Mythos

Die staatliche Rente wird schon reichen.

Realität

Wird sie nicht. Das Rentenniveau sinkt seit Jahren, die heute geltenden 48 % vom letzten Brutto werden bis 2040 weiter fallen.

Mythos

Aktien sind zocken.

Realität

Einzelaktien: ja. Breit gestreute ETFs auf 1.500-3.000 Aktien aus 23 Ländern: das ist das Gegenteil von Zocken.

Mythos

Ich kann nicht sparen, hab kein Geld.

Realität

25 €/Monat findet fast jeder – ein Bier weniger pro Woche. Und 25 € mit 18 ist mit 67 mehr als 200 € mit 50.

Mythos

Bei Crash ist eh alles weg.

Realität

Wer 2008 nicht panisch verkauft hat, hat 2018 mehr Vermögen gehabt als je zuvor. Aussitzen ist die Strategie.

Echte Fälle aus dem Büro

So sieht's in der Realität aus.

Jana, 22, Studentin mit Nebenjob

Jana legt aus ihrem Nebenjob (500 €/Monat als Werkstudentin) 50 € in einen MSCI-World-ETF. Macht das 8 Jahre lang. Mit 30, beim Berufseinstieg, erhöht sie auf 250 €/Monat. Mit 45 hat sie schon ~85.000 € auf der Seite. Mit 67: über 600.000 € – bei 7 % p.a. Rendite. Hätte sie erst mit 30 angefangen: nur ~450.000 €. Die 8 Jahre Vorsprung machen 150.000 € aus.

Tobi, 28, neuer Job mit bAV-Angebot

AG bietet 100 € bAV pro Monat mit 50 % Zuschuss + Steuer-/SV-Vorteil. Effektive Nettobelastung: ca. 35 €. In 35 Jahren: ~85.000 €. Geschenktes Geld – sollte man immer mitnehmen, solange man nicht in 5 Jahren plant, ins Ausland zu ziehen.

Marie, 33, hat Riester von der Bank

Schon 8 Jahre eingezahlt, Effektivkosten 3,2 %, garantierte Rendite kaum vorhanden. Wir haben ruhend gestellt (nicht gekündigt!) und in einen ETF-Sparplan umgeleitet. Spart langfristig fünfstellig.

Vorgehen

Schritt für Schritt.

  1. 1

    1. Notgroschen aufbauen

    3 Monatsausgaben auf Tagesgeld – BEVOR du investierst. Sicherheit zuerst.

  2. 2

    2. Schulden abbauen

    Konsumkredite, Dispo: weg damit. Sind oft teurer (~10 %) als jede Rendite, die du sicher erzielst.

  3. 3

    3. ETF-Sparplan starten

    Depot bei Online-Broker, MSCI World ACWI oder vergleichbar, ab 25 €/Monat.

  4. 4

    4. bAV checken

    Beim AG nachfragen: gibt's eine bAV? Wenn ja, mit Zuschuss → mitnehmen.

  5. 5

    5. Jährlich überprüfen

    Rate erhöhen, Asset-Mix prüfen, ggf. Anteil sicherer Anlagen mit zunehmendem Alter erhöhen.

Deine Mini-Checkliste

Geh die Punkte einmal durch – wenn dir bei einem Punkt das Bauchgefühl fehlt, melde dich.

  • Habe ich einen Notgroschen (3 Monatsausgaben) auf Tagesgeld?
  • Sind alle teuren Schulden weg (Dispo, Kreditkarte)?
  • Läuft mindestens ein ETF-Sparplan?
  • Habe ich bei meinem AG nach bAV mit Zuschuss gefragt?
  • Erhöhe ich die Rate bei jeder Gehaltsstufe?

Glossar

Die Begriffe, kurz erklärt.

ETF
Exchange Traded Fund. Börsengehandelter Fonds, bildet einen Index ab (z.B. MSCI World mit 1.600 Aktien).
MSCI World
Index mit ~1.500 großen Unternehmen aus 23 Industrieländern. Klassischer ETF-Einstieg.
Sparplan
Automatischer Kauf eines ETFs zu festem Termin (z.B. monatlich) und Betrag.
Zinseszins
Rendite auf bereits erzielte Rendite. Wirkt exponentiell und braucht Zeit.
bAV
Betriebliche Altersvorsorge. Vom AG mitfinanzierter Aufbau einer Zusatzrente.
Cost-Average-Effekt
Durch monatliches Sparen kaufst du mal teuer, mal billig – im Schnitt zu fairem Preis.

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Häufige Fragen

ETF oder klassische Rentenversicherung?

+

Für die meisten unter 40 klar ETF. Renditeerwartung ~6-7 % p.a. langfristig vs. 1-2 % bei klassischer RV. Nachteil ETF: Schwankungen. Vorteil: massiv höheres Endkapital und volle Flexibilität.

Lohnt sich Riester für mich?

+

Wenn du Kinder hast: oft ja, wegen Kinderzulage (bis 300 €/Kind/Jahr). Single ohne Kinder: meist nicht – Effektivkosten zu hoch, Förderung zu schwach.

Was, wenn ich ins Ausland ziehe?

+

ETF im Depot: kein Problem, kannst du mitnehmen oder hier lassen. bAV: meist eingefroren, später trotzdem auszahlbar. Riester: oft Rückforderung der Zulagen → genau prüfen.

Crash – was tun?

+

Nichts. Weiter sparen. Wer im Crash kauft, kauft günstig – das ist der Cost-Average-Effekt. Verkaufen ist die einzige sichere Art, Geld zu verlieren.

Disclaimer

Dieser Text ist eine allgemeine Übersicht und keine individuelle Beratung. Jede Lebenssituation ist anders – sprich mit uns, bevor du etwas abschließt oder kündigst.

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